Dramaturgie


Dramaturgie gehört zum Theater wie das Schauspiel und das Publikum. Seit zweieinhalb Jahrtausenden wird Theater entwickelt, gespielt und darüber geschrieben. Genauso lang gibt es Dramaturgie, und schon lange wird darüber geschrieben. Aber während jeder und jede weiß, was Theaterspielen und was ein Drama ist, muss der Begriff Dramaturgie meist erklärt werden. Dramaturgie liegt an der Schnittstelle von künstlerischer Praxis und Theorie und umfasst mehrere korrespondierende Bereiche. Ich definiere Theaterdramaturgie als …

die künstlerische Verknüpfung von verschiedenen Bausteinen in einem Werk, - in  einem Theatertext, in einer Inszenierung oder einem performativen Ablauf; darüber hinaus aber auch als die Reflexion über die Wirkungsweisen auf das Publikum in der Aufführung, in gegenwärtiger und historischer Perspektive. Dramaturgie verknüpft künstlerisch Elemente wie Text, Inszenierung, Publikum und Epoche und ist relational und dynamisch.

„Dramatourgia“ – Dramaturgie - wurde bereits in der griechischen Antike verwendet und meinte das Handlungsgefüge eines Dramas und das Herstellen eines Textes, bzw. einer szenisch-körperlichen Handlung in Hinblick auf seine szenische Auffüh­rung. Im 17. Jahrhundert tauchte der Begriff „Dramaturgie“ erstmals wieder auf, in Italien 1666 bei Leone Allacci. Seine von ihm herausgegebene Drammaturgia verzeichnet und kommentiert in Italien aufgeführte Stücke. Im 18. Jahrhundert ordnete Alexander Gottlieb Baumgarten die Dramatur­gie der philosophischen Disziplin der Ästhetik zu, die er als Wissenschaft der sinnlichen Erkenntnis bestimmte. Der erste Dramaturg der Theatergeschichte, 1767, war der Aufklärer Gotthold Ephraim Lessing, der den Beruf schuf und nicht nur im deutschsprachigen Raum als Rollenmodell gilt. Er legte mit seiner Schrift „Hamburgische Dramaturgie“ Programmatisches vor. Der Begriff Dramaturgie und der Theaterberuf Dramaturg etablierten sich in Deutschland in der 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts zu dem entscheidenden Zeitpunkt, als sich das deutschsprachige Theater professionalisierte und sich als kulturelle Institution etablierte. Allen Modellen der Dramaturgie - von Gotthold Ephraim Lessing bis Bertolt Brecht ist die Reflexion über das künstlerische Werk und über seine Position innerhalb der jeweiligen Gesellschaft immanent. Heutige Dramaturgien gehen nicht mehr ausschließlich vom Dramentext aus.

 

Berufsfelder von Dramaturgen und Dramaturginnen